{"id":4599,"date":"2014-03-02T22:24:27","date_gmt":"2014-03-02T21:24:27","guid":{"rendered":"http:\/\/hst254.host03.loswebos.de\/wp\/?page_id=4599"},"modified":"2014-03-03T16:50:27","modified_gmt":"2014-03-03T15:50:27","slug":"michael-veit-violoncello","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/?page_id=4599","title":{"rendered":"Michael Veit-Violoncello, 6 World Premieres from 1992-2005"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/hst254.host03.loswebos.de\/wp\/?attachment_id=4562\" rel=\"attachment wp-att-4562\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/hst254.host03.loswebos.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/DSC64221.jpg\" alt=\"_DSC6422\" width=\"1279\" height=\"853\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4562\" srcset=\"https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/DSC64221.jpg 1279w, https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/DSC64221-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1279px) 100vw, 1279px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/hst254.host03.loswebos.de\/wp\/?attachment_id=4571\" rel=\"attachment wp-att-4571\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/hst254.host03.loswebos.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/DSC64311.jpg\" alt=\"_DSC6431\" width=\"1279\" height=\"853\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4571\" srcset=\"https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/DSC64311.jpg 1279w, https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/DSC64311-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1279px) 100vw, 1279px\" \/><\/a><\/p>\n<p>contents:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/hst254.host03.loswebos.de\/wp\/?attachment_id=4608\" rel=\"attachment wp-att-4608\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/hst254.host03.loswebos.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Veit.png\" alt=\"Veit\" width=\"1268\" height=\"986\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4608\" srcset=\"https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Veit.png 1268w, https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Veit-1200x933.png 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1268px) 100vw, 1268px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Michael Veit, Violoncello: (fast nur) Urauff\u00fchrungen<br \/>\n<\/strong><br \/>\nYou Cant\u2019t Do That On Stage Anymore. Mit diesem Titel einer CD-Reihe mit Life-Aufnahmen beschreibt Frank Zappa m\u00f6glicherweise das Gef\u00fchl, das man hat, wenn man nach ein paar Wochen die Aufnahme eines gelungenen Konzertes anh\u00f6rt. Auf Urauff\u00fchrungen \u00fcbertragen, k\u00f6nnte man ihn eventuell auch so \u00fcbersetzen: Hoffentlich fragt mich niemand, dieses St\u00fcck noch einmal zu spielen.<\/p>\n<p>Es sind auf dieser CD also ein paar Momente dokumentiert, die nicht so leicht zu wiederholen w\u00e4ren. Bei einer Urauff\u00fchrung ist die Spannung, alles auf einen Punkt zu bringen meist noch etwas h\u00f6her als bei einem normalen Konzert. Im gelungenen Fall ist also der Mitschnitt einer Urauff\u00fchrung ein spannenderes und damit \u00fcberzeugenderes Dokument als eine Studioproduktion desselben St\u00fcckes. Generell sind meiner Meinung nach Life-Aufnahmen oft musikalisch interessanter als Produktionen. Auf jeden Fall haben sie gegen\u00fcber dem zusammen geschnittenem Kunstprodukt den Vorteil, ein reales Ereignis zu dokumentieren, das eben unwiederholbar ist.<\/p>\n<p>Die als die die Regel zu best\u00e4tigenden Ausnahmen beigef\u00fcgten Aufnahmen (Peter Vogel St\u00fccke &#8211; Studioproduktionen,  Berio Sequenza &#8211; nicht von mir uraufgef\u00fchrt und \u201enur\u201c die Generalprobe des Konzerts) sind immerhin ungeschnitten und dokumentieren damit auch ein reales Ereignis, das allerdings ohne Publikum stattfand.<\/p>\n<p>      Alle Aufnahmen au\u00dfer Berio sind nachtr\u00e4glich etwas verhallt, damit der Unterschied zum<br \/>\n      sehr langen Nachhall des Karolinensaals nicht zu gro\u00df ist.<\/p>\n<p><strong>1.\tGerman Romero: El mito de reencuento (Urauff\u00fchrung, 25.7.1992 bei den Darmst\u00e4dter Ferienkursen in der Sporthalle der Georg-B\u00fcchner-Schule) \t<\/strong>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t7:11<\/p>\n<p>Bezeichnend f\u00fcr die Atmosph\u00e4re, die fr\u00fcher bei den Darmst\u00e4dter Ferienkursen herrschte (die 1992 laut Siegfried Palm allerdings auch nicht mehr das Original waren), war die Programmplanung f\u00fcr das Ensemblekonzert: sieben Tage lang (von insgesamt zwei Wochen) beriet die Leitungskommission jeden Mittag \u00fcber die aufzuf\u00fchrenden St\u00fccke. Als die Sache dann aber entschieden war, erhielten wir beim Mittagessen<br \/>\ndie Noten und sa\u00dfen 20 Minuten sp\u00e4ter in der Probe, ein gestresster Komponist stand hinter mir und redete in italienischer Sprache auf mich ein &#8230; piu forte, piu espressivo usw&#8230; w\u00e4hrend ich versuchte in  der handgeschriebenen Stimme verschiedene k\u00fcnstliche Flageoletts zu entziffern&#8230;<\/p>\n<p>Die Auff\u00fchrung von El mito de reencuento wurde immerhin schon am vierten Tag beschlossen (die ersten drei Tage hatte ich ein anderes Solost\u00fcck ge\u00fcbt, das dann wieder abgesetzt wurde). Ab da hatte ich jeden Morgen ein Treffen mit German Romero, einem jungen mexikanischem Komponisten der damals Sch\u00fcler von Julio Estrada war. Diese Treffen wurden von Tag zu Tag stressiger, da German, auch kein Routinier, jedes mal einen Fortschritt erwartete. Es war wohl das erste Mal in meinem Leben, dass ich mehrmals schon um sieben Uhr fr\u00fch hinter dem Cello sa\u00df.<br \/>\n(Es gab nat\u00fcrlich noch anderes zu tun in diesen zwei Wochen als nur dieses St\u00fcck zu \u00fcben.) <\/p>\n<p>Es war trotzdem ein sch\u00f6ner (und extrem hei\u00dfer) Sommer und ich bin froh, einmal diesen Wahnsinn mitgemacht zu haben, nachdem ich eigentlich erst in Kanada auf die Darmst\u00e4dter Ferienkurse aufmerksam geworden war: So viele Leute hatten mich auf die Neue Musik angesprochen als sie h\u00f6rten, dass ich aus Darmstadt kam.<br \/>\nWorauf ich besonders stolz bin ist, da\u00df direkt nach mir, im selben Konzert, Irvine Arditti ebenfalls eine Urauff\u00fchrung gespielt hat!<\/p>\n<p>El mito de reencuento hei\u00dft: Der Mythos von der Auferstehung <\/p>\n<p>Die Aufnahme ist aus dem Archiv der Ferienkurse. Es gibt ein paar Hintergrundger\u00e4usche. Die Leute gingen damals w\u00e4hrend der sehr langen Konzerte ein und aus durch die offene T\u00fcr der Turnhalle. <\/p>\n<p><strong>2.\tRichard Wenzel: Fruit \u00e0 la t\u00eate (Urauff\u00fchrung, 28.1.1996 im Pf\u00e4lzer Schlo\u00df in Gro\u00df-Umstadt) mit Oliver Kolb, Klavier\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t8:23<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem ersten Konzert der Kammermusikreihe Soli fan tutti des Orchesters des Staatstheaters Darmstadt am 4. Oktober 1992 kam es zur Bekanntschaft mit dem Komponisten Richard Wenzel, der daraufhin ein St\u00fcck f\u00fcr Cello und Klavier schrieb. Das Werk, das urspr\u00fcnglich Lieder f\u00fcr Zwei hie\u00df, besteht aus vielen kleinen Teilen, die durch Doppelstriche in den Noten getrennt sind und doch ein organisches Ganzes ergeben. <\/p>\n<p>Das Miniaturhafte und Filigrane des St\u00fccks hat mit der Inspiration durch japanische Kultur zu tun, die der Komponist durch seine Frau und durch viele Aufenthalte und auch Arbeit in Japan erhielt. Ungef\u00e4hr in der Mitte gibt es eine extrem leise Stelle. Da\u00df es so einen Dynamikbereich \u00fcberhaupt auf dem Cello, gibt habe ich erst bei den Proben mit Richard Wenzel kennengelernt.<\/p>\n<p>Die Aufnahme entstand mit meinem TEAC Dat-Recorder.<\/p>\n<p><strong>3-7\tPeter Vogel: 5 St\u00fccke (Produktion f\u00fcr den ORF Studio Vorarlberg, 25.5.1998)\t\t\t\t\t\t\t\t\t1:07, 1:03, 1:25, 5:07, 2:04<\/strong><\/p>\n<p>Peter Vogel lebt als Organist, Pianist, Jazzmusiker, Konzertorganisator, Lehrer und Komponist in Lindau am Bodensee und betreibt bewundernswerterweise alle diese Passionen gleichzeitig und auf h\u00f6chstem Niveau. Unsere langj\u00e4hrige Freundschaft verschaffte mir die Ehre, da\u00df mir das Abschlu\u00dfst\u00fcck seines Kompositionsstudiums gewidmet wurde &#8211;  was allerdings auch verbunden war mit den nicht unbetr\u00e4chtlichen M\u00fchen, das schwierige Werk einzustudieren.<\/p>\n<p>Peter Vogels Lehrer Herbert Willi, ein ungeheuer interessanter Mensch und Komponist, hatte vorgeschlagen, Peter solle sich vorstellen, er sei ein Cello. Ergebnis waren von der streicherischen Tradition sehr unabh\u00e4ngige und sehr originelle St\u00fccke. H\u00f6hepunkt der Herausforderung f\u00fcr einen Cellisten ist der vierte Satz, in dem man drei gegen vier spielen muss und dann noch die Oberstimme als Melodie herausholen soll. Tagelange Spazierg\u00e4nge mit rhythmischem Klopfen und angespannte Proben mit dem Komponisten f\u00fchrten zu dem gew\u00fcnschten Ergebnis.<\/p>\n<p>Die Urauff\u00fchrung fand in verschiedenen Etappen statt: Am 14.9.1997 gab es im Hotel Bad Schachen die ersten 4 S\u00e4tze unter dem Titel Miniaturen. Damals hatte das St\u00fcck auch Satzbezeichnungen: 1.mit Gef\u00fchl, intensiv, 2. streng im Rhythmus, aber mit gro\u00dfem Ausdruck, 3. groove, 4. perpetuum, weich, geheimnisvoll. Am 18.5.1998 war die Urauff\u00fchrung des kompletten St\u00fccks in Frankfurt. Erst danach \u00e4nderte Peter Vogel den Titel. <\/p>\n<p>Bei der Produktion in Dornbirn war Herbert Willi als gro\u00dfer Inspirator anwesend. Das Studio hatte leider die typisch trockene Studioakustik, so dass auch schon vom ORF Hall hinzugef\u00fcgt wurde. <\/p>\n<p><strong>8-9\tWilhelm Lutz-Rijeka: Materialerm\u00fcdung I und II (Urauff\u00fchrung, 18.4.1999 in der Konzertreihe Soli fan tutti im Vortragssaal im Haus der Geschichte in Darmstadt) mit dem Lichtenberg Quartett (Charys Schuler und Martin Landzettel, Violine, Klaus Opitz, Viola)\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t8:08<\/strong><\/p>\n<p>Der Titel bezieht sich auf das musikalische Material: in der streng verstandenen Zw\u00f6lftonmusik soll es bekanntlich keine Tonwiederholungen geben. Lutz-Rijeka, der als Darmst\u00e4dter Komponist nat\u00fcrlich mit der seriellen Musik aufgewachsen ist, wendet sich hier gegen diese Regel und wiederholt das Material (die T\u00f6ne) solange bis Erm\u00fcdungserscheinungen auftreten. Am Schlu\u00df des St\u00fcckes kann man diese deutlich h\u00f6ren: das Solocello endet mit einer Kadenz, in der auch die C-Saite quasi erm\u00fcdet, d.h. herunterrutscht. <\/p>\n<p>Materialerm\u00fcdung II ist ein komplizierter Streichquartettsatz, dessen Vehemenz aber lyrische Passagen nicht ausschlie\u00dft. Materialerm\u00fcdung I ist ein St\u00fcck f\u00fcr Solocello. Da die beiden St\u00fccke ineinander \u00fcbergehen, m\u00fcssen bei der Auff\u00fchrung die drei anderen Mitglieder des Quartetts ziemlich lange auf ihren Einsatz warten. Immerhin kann das bei einem Solost\u00fcck oft so schwierige Problem des Umbl\u00e4tterns hier einfach gel\u00f6st werden.<\/p>\n<p>Materialerm\u00fcdung I ist in einem ungew\u00f6hnlichen Prozess entstanden: Ursprung war eine Improvisation auf der Klarinette, dem pers\u00f6nlichen Instrument des Komponisten.<br \/>\nZusammen haben wir dann anhand der Aufnahme und deren Notation nach L\u00f6sungen gesucht, wie man das St\u00fcck auf das  Cello \u00fcbertragen kann. Die Bariolagen (Tonwiederholungen auf zwei Saiten) und Viertelt\u00f6ne am Anfang des St\u00fcckes waren z.B. urspr\u00fcnglich verschiedene Griffe auf der Klarinette. Kleine \u00c4nderungen der T\u00f6nh\u00f6hen kamen bei diesem Prozess durchaus infrage. Interessant ist, dass auf diese Weise ein sehr gut klingendes und zu spielendes St\u00fcck entstand.<\/p>\n<p><strong>10.\tTonino Battista: \u201eLike a duck to the water\u201c (Urauff\u00fchrung, 10.11.2000 im Herrenhaus Edenkoben)\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t11:40<\/strong><\/p>\n<p>Anlass f\u00fcr die Entstehung dieses St\u00fccks war das Bach-Jahr 2000. Auftrag war, ein St\u00fcck zu komponieren, das sich auf die erste Cellosuite von Bach bezieht. Tonino Battista l\u00f6ste dieses Problem auf eine sehr komplizierte Art und Weise. Das Pr\u00e9lude der G-Dur Suite  wurde in einer f\u00fcr den H\u00f6rer nicht nachvollziehbaren Weise transformiert. Wie der Titel andeutet verh\u00e4lt sich das St\u00fcck zum Pr\u00e9lude von Bach wie eine Ente zum Wasser \u2013 auf dem sie zwar schwimmt, mit dem sie aber sonst keine direkten Gemeinsamkeiten hat. Dies erfuhr ich in der Probe mit dem Komponisten, die in einer sehr netten Atmosph\u00e4re stattfand &#8211; allerdings am Telefon!<br \/>\nSehr kompliziert war das Erlernen des St\u00fccks in zwei Wochen (zwei Cellisten hatten vorher abgesagt ). Zus\u00e4tzlich zu den Doppelgriffen mit Glissandi und Viertelt\u00f6nen in Lagen, die eigentlich den Violonisten vorbehalten sein sollten, musste ich die dritte Stimme pfeifen!<\/p>\n<p>Der rauhe, leicht rasselnde Ton des Cellos r\u00fchrt von vier kleinen Schl\u00fcsselringen her, die auf die Saiten aufgef\u00e4delt sind und auf dem Steg liegen. Die C-Saite ist auf G heruntergestimmt.<\/p>\n<p>Die von Richard Hauk f\u00fcr den S\u00fcdwestfunk aufgenommene Aufnahme wurde wegen der Fusion von S\u00fcdwestfunk und S\u00fcdfunk nie gesendet. Immerhin,  Battista war mit dieser Aufnahme, genauso wie schon mit der telefonischen Wiedergabe, sehr zufrieden. Die noch zu verbessernden Punkte habe ich nie erfahren, weil ich ihn leider auch sp\u00e4ter nie getroffen habe.<\/p>\n<p><strong>11.\tLuciano Berio: Sequenza XIV (2002) (Generalprobe der Darmst\u00e4dter Erstauff\u00fchrung, 22.10.2005 in der Konzertreihe  Soli fan tutti im Karolinensaal im Haus der Geschichte in Darmstadt)\t\t\t\t\t\t\t\t13:11<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Sequenza I f\u00fcr Fl\u00f6te er\u00f6ffnete 1958  Berio seine wichtigste Werkreihe. Die jeweils aus einer harmonischen Fortschreitung (Sequenz) entwickelten St\u00fccke gehen jeweils an die technischen und ausdrucksm\u00e4\u00dfigen Grenzen des jeweiligen Soloinstruments.<br \/>\nBerio hatte die Arbeit an seiner letzten Sequenza noch nicht wirklich beendet, als er 2003 starb. Wie alle Werke dieser Serie entstand das St\u00fcck in enger Zusammenarbeit mit einem Interpreten, in diesem Falle mit Rohan de Saram, dem Cellisten des Arditti Quartetts. W\u00e4hrend die Ausgabe der Universal Edition, die nach Berios Tod aufgrund  seines Notenmaterials erstellt wurde, leider eine Vielzahl von Fehlern und Ungenauigkeiten enth\u00e4lt und so das St\u00fcck praktisch unspielbar macht,  gibt es zum Gl\u00fcck die M\u00f6glichkeit, nach London zu fahren und sich von Rohan de Saram seine Version letzter Hand, die Berio noch geh\u00f6rt und gebilligt hat, erl\u00e4utern zu lassen. Zumal der Aufwand, das St\u00fcck zu lernen sowieso schon immens ist (seit meinem Studium habe ich an keinem anderen St\u00fcck auch nur ann\u00e4hernd so viel ge\u00fcbt, wie an der Sequenza) stand die Reise nach London in einem durchaus vern\u00fcnftigen Verh\u00e4ltnis zu den sonstigen Anstrengungen.<\/p>\n<p>Das \u00dcben hat ungeheuren Spa\u00df gemacht, nachdem die anf\u00e4nglichen H\u00fcrden \u00fcberwunden waren, weil das St\u00fcck einfach richtig sch\u00f6n ist. Da\u00df Berio am Ende seines Lebens und schwer krank war, als er es komponierte, ist kaum sp\u00fcrbar. Hauptteil ist eine beinahe schlichte Melodie, die aber durch verschiedene Klangfarben, Echos und extreme Dynamik verfremdet wird und dadurch fast eine r\u00e4umliche Wirkung erh\u00e4lt (analog der vorget\u00e4uschten Polyphonie in den Bach Suiten). Immer wieder unterbrochen wird sie durch knallende Bartok Pizzikati und sp\u00e4ter durch Glissandi \u00fcber das ganze Cello. Anfang und Mittelteil erfordern eine Spieltechnik, die v\u00f6llig neu zu lernen ist: gleichzeitig zu perkussivem Spiel mit der linken Hand auf den Saiten klopft die rechte Hand vier verschiedene Tonh\u00f6hen auf den Korpus des Cellos. (Man f\u00fchlt sich anfangs wie ein unbegabter Klaviersch\u00fcler, der zum ersten Mal mit beiden H\u00e4nden zusammen spielen muss.)<\/p>\n<p>Diese Klopfteile enthalten Strukturen eines Tala (Rhythmus) aus Sri Lanka und sollen klingen wie die traditionellen, mit den H\u00e4nden gespielten Kandyan-Trommeln Sri Lankas. Beides sind Bez\u00fcge zur Herkunft Rohan de Sarams. Auch die fast unmerkliche Beschleunigung des Grundmetrums ist eine Analogie zur indischen Musik. Zus\u00e4tzliche W\u00fcrze erh\u00e4lt das St\u00fcck durch eine Skordatura: die G-Saite ist auf Gis gestimmt, die Notation ist aber klingend. Diese Stimmung beg\u00fcnstigt und erm\u00f6glicht die spezielle Harmonik des St\u00fccks. <\/p>\n<p>Tonmeister dieser Aufnahme war Alfred Benz; Leiter der Tonabteilung des Staatstheaters Darmstadt (der auch die ganze CD abgemischt hat). Er verwendete drei Mikrophone,  zwei davon nah am Cello, um die Klopfger\u00e4usche gut h\u00f6rbar zu machen.<\/p>\n<p><strong>12.\tPeter Vogel: Du und Ich (Produktion im Studio von Radio Lindau, Mai 1988) mit einem Yamaha DX7, programmiert von Peter Vogel\t\t\t\t2:37<\/strong><\/p>\n<p>Die Urauff\u00fchrung dieses Werkes in Wasserburg am Bodensee am 21.5.1988 war zumindest musikalisch nicht unter den in der Einleitung erw\u00e4hnten Ereignissen einzuordnen. Erst am Vorabend der Hochzeit meines Bruders hatte ich die Noten des f\u00fcr ihn komponierten St\u00fccks in recht genialisch hingekritzelter Form erhalten. Die kurze Probe in der Kirche reichte dann nicht aus, die Schwierigkeiten des Zusammenspiels mit einer Maschine zu beseitigen. Schon die Cellostimme allein war nicht zum Prima Vista Spiel geeignet &#8211; wie es bei einem Werk von Peter Vogel ja auch nicht anders zu erwarten ist.<\/p>\n<p>Alle diese Probleme l\u00f6sten wir dann bei einer Produktion im Radio Lindau unter der Aufnahmeleitung meines Bruders Peter Veit. Ich hatte einen Klicktrack mit Sechzehntel im Kopfh\u00f6rer und den Komponisten musste ich irgend wann bitten, den Raum zu verlassen, da seine Anwesenheit den Stresslevel zu sehr erh\u00f6hte. Aufnahmeger\u00e4t war noch eine klassische Revox Studio-Bandmaschine.<\/p>\n<p>Michael Veit, Violoncello<br \/>\nCelli von August Pfab, Hamburg 1901 (12),<br \/>\nDavid Tecchler, Rom 1722 (1),<br \/>\nGioffredo Cappa, Saluzzo ca. 1700-1710 (2-11)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>contents: Michael Veit, Violoncello: (fast nur) Urauff\u00fchrungen You Cant\u2019t Do That On Stage Anymore. Mit diesem Titel einer CD-Reihe mit Life-Aufnahmen beschreibt Frank Zappa m\u00f6glicherweise das Gef\u00fchl, das man hat, wenn man nach ein paar Wochen die Aufnahme eines gelungenen Konzertes anh\u00f6rt. Auf Urauff\u00fchrungen \u00fcbertragen, k\u00f6nnte man ihn eventuell auch so \u00fcbersetzen: Hoffentlich fragt mich &hellip; <a href=\"https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/?page_id=4599\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Michael Veit-Violoncello, 6 World Premieres from 1992-2005<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":28,"menu_order":40,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-4599","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4599","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4599"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4599\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4743,"href":"https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4599\/revisions\/4743"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/28"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/darlingpublications.com\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4599"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}